Die Gedenkstätte für die Opfer der Nationalsozialistischen Gewaltherrschaft an der Parade zwischen dem Zeughaus und dem Haus der Kulturen ist der zentrale Ort des Gedenkens und der Erinnerung in Lübeck. Der schwulen Opfer des Nazi-Regimes wird dort aber bislang nicht gedacht. Der Lübecker CSD e.V. will das ändern.

"Dem Gedenken der Lübecker Bürger, die in den Jahren 1933 bis 1945 aus politischen, religiösen und rassischen Gründen Opfer der Nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wurden. Ihr Leidensweg begann in vielen Fällen hier, in den Haftzellen der Geheimen Staatspolizei im Keller des ehemaligen Zeughauses."

Während die Erinnerung an die Deportation von Patienten der Heilanstalt Strecknitz und der Vorwerker Heime, an die hingerichteten Lübecker Geistlichen oder an die Opfer des Todesmarsches aus dem KZ Fürstenberg in den letzten Jahren im Stadtgebiet ergänzt wurden, sind die Menschen außer Acht geblieben, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung durch die Nazis verfolgt wurden.
Die Nationalsozialisten hielten Homosexualität für eine „widernatürliche Veranlagung“, für eine den so genannten „Volkskörper“ schädigende „Seuche“, die „auszurotten“ sei. Schon kurz nach der Machtergreifung Hitlers wurden im März 1933 Lokale geschlossen, die von Lesben oder Schwulen besucht wurden. Die vollständige Infrastruktur der ersten deutschen Homosexuellenbewegung, Lokale, Vereine, Verlage sowie Zeitschriften, wurde aufgelöst, verboten, zerschlagen und zerstört. Im Herbst 1934 setzte die systematische Verfolgung homosexueller Männer ein. Über 100.000 wurden polizeilich erfasst, und rund die Hälfte wurde nach dem Strafrechtsparagraphen 175 verurteilt. Etwa 10.000 bis 15.000 schwule Männer wurden in Konzentrationslager verschleppt. Mehr als die Hälfte überlebten dies nicht.

Auch die schwulen Männer in der Hansestadt waren von Verfolgung betroffen. Am 23. Januar 1937 kam es in Lübeck zu einer der größten Massenverhaftungen Homosexueller in der Nazi-Zeit. 230 Männer wurden im Rahmen einer Razzia verhaftet und zunächst in das als Gestapo-Zentrale dienende ehemalige Zeughaus am Dom gebracht. Die Häftlinge wurden verhört und gefoltert, um sich gegenseitig zu denunzieren. Die Schicksale der Betroffenen verliefen in den kommenden Monaten unterschiedlich: Es wurden Anklagen wegen Verstoßes gegen §175 erhoben, es kam zu Gerichtsprozessen, Verurteilungen, zu Haftstrafen, einige Männer wurden ins KZ gebracht.

Der Lübecker CSD e.V. tritt für eine Ergänzung der Gedenkstätte für die Opfer der Nationalsozialistischen Gewaltherrschaft neben dem Zeughaus - der ehemaligen Gestapo-Zentrale - ein. Wir möchten, dass neben den Bürgern, die aus politischen, religiösen und rassischen Gründen verfolgt wurden, auch den 230 Lübecker Männern und allen weiteren homosexuellen Opfern in Würde gedacht und eine mahnende Erinnerung aufrechterhalten wird. Wir setzen uns für eine Gedenktafel oder einen separaten Gedenkstein ein, damit die Gedenkstätte, die seit 1986 in dieser Form existiert, unverändert bleibt und in Zukunft auch daran erinnert, dass das Unrecht, das Lesben und Schwulen während der Nazi-Zeit angetan wurde, in der Nachkriegszeit nicht als Unrecht erkannt wurde. Auch das Vergessen oder Ignorieren von Opfergruppen ist deutsche Geschichte.

» Details zur Gedenkstätte & dem Künstler Erich Lethgau

» Liste der Denkmäler für homosexuelle Opfer des Nationalsozialismus

 

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